Zwei Freunde ziehen aus, um einige Monate dem Alltag der Spasskultur zu entfliehen. Abenteuerlust zieht Luca, Sehnsucht nach der Heimat drängt Ovidiu zu einer Reise in den Osten – beide sind Kinder emigrierter Eltern. Doch die harmlose Fahrt von Zürich über Budapest nach Rumänien wächst sich für die jungen Kinofans zu einer existenziellen Freundschafts- und Identitätskrise aus. Weder flotte Sprüche noch das gedankliche Abtauchen in die geliebte Welt des Films bietet ihnen Schutz vor der ernüchternden Realität des Erwachsenwerdens.
Catalin Dorians Florescus zweiter Roman „Der kurze Weg nach Hause“ liest sich wie ein Entwicklungsroman. Äussere Erlebnisse vor allem spiegeln den inneren Bruch einer Illusion wieder. Als der Icherzähler seine Heimat Rumänien, die er als Kind an der Hand seiner Eltern fluchartig verlies, wiedersieht, fallen nicht nur die Kindheitserinnerungen in sich zusammen. Auch in ihm zerbricht etwas; er muss sich neu definieren. Wie im seinem ersten Roman „Wunderzeit“, in dem er die eigene Kindheit in Rumänien wiederbelebt, macht sich Florescu im zweiten wieder selbst zum Thema. Die Ostreise wird unter der Hand des studierten Psychologen zu einer Seelentour, die die heimatlichen Wurzeln des Autors schonungslos freilegen.
Die raue Schale des Erzählers täuscht nicht über die innere Zerrissenheit des seiner Heimat frühzeitig Entrissenen hinweg. Zwischen den Zeilen der witzigen, makabren und sehr menschlichen Geschichten blitzen ehrliche Gefühle auf.