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Die ersten zwanzig Seiten des Romans sind ein erzählerisches Kabinettstück, das einen wie unter Zwang in die Geschichte hineinzieht (...) Ein ganzes Leben in ein paar Augenblicke hineinzupacken, das gelingt dem begabten Geschichtenerzähler Florescu, ohne dass es etwas Bemühendes bekäme, verlässt er sich doch keineswegs auf den einen grossen Spannungsbogen von Zairas Lebensgeschichte, sondern baut hundert kleine Szenen und Geschehnisse in den Ablauf hinein, die immer wieder neu für Dramatik und Unmittelbarkeit sorgen(...) Was aber am bewunderungswürdigsten ist: Florescu versteht es wie in seinen früheren Büchern vor allem auch, den Gegensatz zwischen Ost und West, zwischen Elementarem und Opportunem, zwischen Melancholie und Fortschritt, Tradition und Fortschritt, Beseeltem und Funktionalem erzählerisch herauszuarbeiten. Einen Gegensatz, den er zwar am Beispiel Rumänien/Westeuropa/ USA exemplifiziert, der aber auf berührende Weise ein weit über diese Konstellation hinausgehendes allgemeines Malaise des entwurzelten heutigen Menschen nachvollziehbar macht.

Charles Linsmeyer, Der Bund, Bern


Ein vielschichtiges Buch also, das Werk eines begeisterten Erzählers, ein Buch, das  verführt und verzaubert, und das nicht zuletzt auch den ständigen Balanceakt des modernen Menschen zwischen nationaler Identität und globalen Anforderungen thematisiert. Ein Balanceakt, den Florescu aus eigener Erfahrung kennt – und den er mit seiner Literatur zu entschärfen versucht


Eine abenteuerliche, spannungsreiche, vom ersten bis zum letzten Satz fesselnde Geschichte. (...) Der Roman Zaira ist nicht mehr einem nationalen Kanon zuzuordnen, sondern ein herausregendes, schönes Zeugnis der Literaturlandschaft Mitteleuropa.


Was einen oft bezaubert, ist die liebevolle, detailgenaue Darstellung des Kleinen, Alltäglichen. Die Figuren haben ja nicht nur ein «Schicksal», sie haben auch ihre Schrullen, die sie herzhaft ausleben – und das gibt dem Roman seine Wärme und seinen Witz. Florescus Sprache hat die Leichtigkeit, die Komik und den Charme eines Marionettenspiels, sie nimmt dem oft traurigen Geschehen seine Schwere und lässt die Figuren sozusagen schweben.


Klug. Vergnüglich. Toll.


C.D. Florescu hat einen stolzen, erinnerungsschwangeren und spannenden Roman geschrieben.


In seinem dritten Roman thematisiert der erzählmächtige rumänische Neoschweizer in grandiosen Geschichten erneut die Zerrissenheit des Exilierten.


Florescu ist dort am stärksten, wo er Geschichten erzählt, anschaulich, bilderreich, derb und poetisch zugleich. Der Blinde Masseur überzeugt durch die sinnliche Kraft seiner Episoden und seine Verweigerung der einfachen Antworten. (...) Der Schweizer Autor mit rumänischen Wurzeln beschreibt die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: nämlich ein Europa, das diesseits und jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhanges nach unterschiedlichen Uhren tickt. Und er schreibt über dieses Europa so, dass man auch nach drei Büchern durchaus mehr darüber erfahren möchte.


Das Leben ist schmerzvoll, doch warm und voller Witz sind selbst die leidgetränkten Passagen des Buches. Florescus Rumänien – und der grösste Teil ist ein versteckter Liebesbrief an seine alte Heimat – ist ein verzauberter Ort, an dem es zwar alle Übel der Zivilisation gibt, aber ebenso Gastfreundschaft und Geschichten. (...) Florescu balanciert als Grenzgänger zwischen Ost und West, doch sein Herz schlägt, zumindest in seiner Fiktion, für den Osten. Das verrät seine Sprache, die immer dann an atmosphärischer Dichte gewinnt, wenn vom ländlichen Aberglauben und den mündlich tradierten Legenden der Bauern die Rede ist. Wenn Florescu über die bizarren Gestalten schreibt, laden sich die Sätze wie von selbst mit Poesie auf. Er lässt Menschenbilder voll Zartheit und Ambivalenz entstehen.


Vitale Erzählfreude und originelle Szenen noch und noch bestimmen den Roman Der Blinde Masseur von C.D.Florescu. (...) Was da vorliegt, überzeugt nicht nur mindestens so sehr wie die beiden anderen Bücher, sondern übertrifft sie in Sachen Fabulierfreude, sprachliche Originalität und kompositorisches Können bei weitem. Allein die ersten zwanzig Seiten dieses Buches sind ein Musterbeispiel unbedingt geglückten Erzählens.


Der Autor versteht es mit seiner Fabulierkunst und den ins Kraut schiessenden Geschichten, mit Schilderungen innerer Befindlichkeiten und treffenden Dialogen, den Leser in Bann zu schlagen, der sich am Ende selbst in das unwirtliche Tal am Rande der Welt versetzt fühlen mag, dorthin, wo die Bücher und die Geschichten regieren, und der Teufel einen Mann nicht sterben lässt, wenn er nicht genug gesündigt hat.


Mit dem Blinden Masseur ist C.D.Florescu ein ebenso liebevolles wie sarkastisches Porträt des neuen alten Rumänien gelungen – ein in üppigen Farben gemalter Roman über Lust, Sehnsucht und Verzweiflung von Menschen, denen der Alltag brüchig scheint und die Macht des Erzählens unbezwingbar. 


Nicht nur wegen der schonungslosen Beschreibung einer Innenansicht lohnt es sich, mit den rumänischen Outcasts in Der Blinde Masseur Bekanntschaft zu machen. Der Autor geht mit seinen geradlinigen und durchschlagenden Sätzen in die Tiefe der Dinge, dorthin, wo Worte nicht nur das bedeuten, was sie heissen, sondern für Umfassenderes stehen.


Mit Talent allein ist es nicht getan, wenn man erzählen will wie Catalin Dorian Florescu. Man muss auch noch unter Erzählern aufgewachsen sein, dort, wo alle möglichen Geschichten, glaubhafte und phantastische, von Mund zu Mund gehen.


Wenn Catalin Dorian Florescu erzählt, dann blühen die Seiten.


Das ist Ian McEwen, aber mit weit mehr Humor, Ironie und Salz. Ein einmaliges Panorama des Lebens in Osteuropa während und unmittelbar nach den letzten Tagen der Sowjetherrschaft.


Den Osten, die europäische Terra incognita, erkundet man am besten ohne Vorbildung. Oder man liest die Bücher von Catalin Dorian Florescu.


Angesichts der gegenwärtigen Diskussion um ein europäisches Selbstverständnis ist C.D. Florescu eine gewichtige Autorenstimme, die jenseits von engstimmigen Nationalismen ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit vermitteln kann.


Florescu ist ein leidenschaftlicher Erzähler, der das Wundern nicht verlernt hat. Seine Biographie zwischen Ost und West, zwischen dem Wunderland der Kindheit und dem der Verheissung, hat ihn gelernt, dass hinter dem Schlagbaum einer Diktatur nicht die Freiheit beginnt, sondern ein anderer mühevoller Alltag, eine andere Art Angst, Einsamkeit und Sehnsucht. Dass er von der Suche nach dem richtigen Platz in der Welt – ob er nun in Rumänien liegt, in Amerika oder in der Schweiz – in seinem Büchern so beeindruckend bildkräftig mit zärtlicher Melancholie, respektvoller Genauigkeit und lakonischer Komik erzählt, macht ihn bereits jetzt zu einer unverwechselbaren Stimme in der deutschsprachigen Literatur. 


C.D. Florescu ist ein Erzähler, der Erlebtes, Erinnerungen, Wahrnehmungen in einer Mischung aus grosser Sprachpoesie und der gekonnten Beschreibung von Verhältnissen in ein Spannungsfeld zu setzen versteht. Jeder Satz, jede Episode weckt Neugierde auf mehr. Beim Publikum blieb der Eindruck, den Abend mit einem grossartigen Erzähler und glaubwürdigen Zeitzeugen erlebt zu haben. 


Frankfurter Rundschau, Dezember 2001

Florescu ist ein erzählerisches Naturtalent genannt worden, und das zu Recht.

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